Ein kleiner Spaziergang durch den Stadtteil

Photographischer Rundgang durch AltenessenWo ehemals weite Felder bewirtschaftet wurden, zu einer Zeit, als an der Berne noch Mühlen standen, wo anschließend die Montanindustrie ihren großen Einzug hielt, die Schlote der Zechen Kokereien qualmten und das Hämmern von Metall aus den Fabriken weithin zu vernehmen war, ist in den letzten Jahrzehnten ein Strukturwandel vollzogen worden, der nur noch schwer erahnen läßt, wie es vor langer Zeit in Altenessen einmal ausgesehen hat.

Der kleine Spaziergang durch den Essener Norden führt zunächst über die Gladbecker Straße, kaum jemand erinnert sich noch an den vorherigen Namen "Tunnelstraße", über die Hövelstraße, die bis 1915 noch Borbecker Straße hieß und ihren neuen Namen August Freiherr von Hövel verdankt, der von 1870 bis 1899 als Landrat des Kreises Essen tätig war, zum Altenessener Bahnhof. Die Altenessener waren sicherlich ein wenig stolz, als der Bahnhof am 15. Mai 1847 eröffnet und der Bahnbetrieb an der Köln-Mindener-Strecke aufgenommen wurde. Lange Zeit war der Bahnhof Altenessen auch für Fernreisende eine wichtige Station in Essen. Leider wurde das einst wirklich schmucke Bahnhofsgebäude an der ehemaligen Essen-Horster-Straße, die aber von den Anwohnern liebevoll "Chaussee" genannt wurde, abgerissen, als Folge der nachlassenden Bedeutung dieser Station für Personen- und Güterverkehr.

Schräg gegenüber des Bahnhofs, wo heutzutage die Menschen aus der Tiefe des U-Bahnhofs ans Tageslicht eilen, hatte der Altenessener Schweinemarkt seinen Standort.

"Dienstag und Samstag war Markt. Oft wechselten bis zu 14000 Jungschweine den Besitzer."

Unser Weg führt weiter in nördlicher Richtung zum Palmbuschweg, der bis zum Jahr 1937 noch unter dem Namen Katernberger Straße im Stadtplan verzeichnet war. Hier befand sich der Schlachthof von Altenessen. Das Gelände wird heute von der AliBaba Milchprodukte GmbH und der Tuffi Campina Milchwerke GmbH & Co. KG genutzt.

Dem Palmbuschweg folgend führt unsere Route unmittelbar hinter dem "Parkrestaurant Spindelmann" in den Kaiser-Wilhelm-Park. Eine grüne Oase, die die Altenessener den Alltagsstreß ein wenig vergessen ließ. Diese Parkanlage wurde zu Ehren des 100. Geburtstages von Kaiser-Wilhelm I. im Jahre 1897 errichtet. Eine besondere Attraktion stellte ein großer Teich dar, der zu einer gemütlichen Kahnfahrt einlud. Den alten Kahnteich gibt es aber längst nicht mehr. An dieser Stelle befindet sich nun eine große Spielwiese. Auch heute ist der Park noch beliebter Treffpunkt für viele Bürger. Bei allen Veränderungen, die im Laufe der Zeit vorgenommen wurden, erinnert mich der wunderbar alte Baumbestand doch an seine 100jährige Geschichte.

Am verbliebenen kleinen Ententeich vorbei führt der Weg durch den Park zum neu angelegten Bouleplatz, der für jedermann offen ist. Im Schatten der großen, alten Bäume, direkt hinter dieser Anlage, entdecke ich einen Warnungshinweis. "Vorsicht Lebensgefahr" steht auf dieser Tafel geschrieben.

Ein interessanter Hinweis, denn genau hier errichtete die Gemeinde Altenessen, auf Beschluß des Gemeinderates vom 15. Dezember 1896, ein eigenes kommunales Elektrizitätswerk, das im November 1898 in Betrieb genommen wurde. Altenessen war der großen Nachbargemeinde Essen bei der Installierung eines Stromnetzes mehr als zehn Jahre voraus gewesen.

Wie die Entwicklung des Stadtteils in Zukunft weitergeht, bleibt abzuwarten. Ich hoffe aber, daß das politische Engagement für eine richtungsweisenden Strukturwandel fortgesetzt wird.

 


Kommentare 

 
# Barbara Ruß 2010-03-16 20:36 Guten Tag, gibt es irgendwo noch Informationen zu Bauer Kallenberg und der Gartenanlage die an sein Grundstück grenzte. Ich habe als Kind in dieser Gartenanlage gewohnt und als Kind auf dem Acker von Bauer Kallenberg gespielt. Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 

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