Der Konsumverein "Wohlfahrt"

Konsumverein Wohlfahrt, heutige Stauderstr., 20er Jahre Die Wiege des Konsumvereins stand in Essen-Werden. Am 21.11.1903 gründeten 100 Mitglieder mit 729 Mark gesammelten Geschäftsguthabens die erste Filiale des Konsumvereins für Werden und Umgebung, des späteren Konsumvereins "Wohlfahrt". Schon bald wurden weitere Filialen in den südlichen Stadtteilen eingerichtet. 1910 bestanden schon 42 Abgabestellen.

Der Genossenschaftsgedanke, der vor allem von der christlich-sozialen Arbeiterbewegung gefördert wurde, führte dazu, daß sich weitere Konsumvereine aus den anderen Stadtteilen, aber auch aus Langendreer, Wanne, Neviges, Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck usw. im Laufe der Jahre dem Konsumverein "Wohlfahrt" anschlossen. Nach zweijährigem Suchen konnte die Verwaltung 1911 ein passendes, allen Anforderungen gerecht werdendes Grundstück an der Bruckmannstraße (heute Stauderstraße) präsentieren.

Die Anlagen waren mit direktem Eisenbahnanschluß versehen, wodurch die Möglichkeit gegeben war, bis zu 20 Waggons gleichzeitig zu entladen. Die Beladung der Autos und Fuhrwerke erfolgte von der Hofseite. Mittelpunkt war die Großbäckerei mit 22 Doppelöfen zur Herstellung von Brot und allen sonstigen Backwaren, Zwieback, Keks und Konditoreigebäck aller Art. An Nebenbetrieben waren vorhanden: Eine Kraftanlage zur Erzeugung elektrischer Energie, eine Kaffeerösterei, eine Schrotmühlenanlage, Werkstätten zur Anfertigung von Ladeneinrichtungen, Büromöbeln und Wagenbau, ferner Reparaturwerkstätten für Autos, Huf- und Wagenschmiede, Sattlerei, Installation, drei Wohn- und Geschäftshäuser usw. Weiterhin waren in dieser Zentralanlage ein Maschinenhaus, Stallungen und Lagergebäude für Lebensmittel untergebracht. Der Bauwert der Anlagen belief sich 1925 auf rund 2,5 Millionen Reichsmark.

Der Nationalsozialismus zerstörte den Konsumverein "Wohlfahrt". Die Genossenschaften, gegründet aus dem christlich-sozialen Gedankengut, entsprachen nicht dem Geist der Nazis.

Das Karosseriewerk Ludewig zog in die ausgedehnte Anlage und stellte im Krieg Fahrzeugaufbauten für Wehrmachtsfahrzeuge, später Omnibusse her.

Nachdem der Absatz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr genug Ertrag abwarf, stellte die Firma den Betrieb ein. Heute tummeln sich dort Betriebe der verschiedensten Art.

Der Konsum, nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegliedert, zog nach Essen-West.


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