Schrebergärten und Grabeland

Schrebergärten hinter der Hohendahlstraße Die Idee des Schrebergartens als Erholungsort des Arbeiter und als Gemüselieferant wurde von seinem Erfinder, dem Leipziger Arzt D. Schreber, gegen Mitte des 19. Jh. ins Leben gerufen. Das Grabeland unterschied sich von den Kleingärten dadurch, daß es keine Lauben gab und Viehhaltung betreiben werden durfte. Außerdem war es sofort kündbar und wurde nur vorübergehend angepachtet. Meist sind Schrebergärten in Gartenkolonien zusammengeschlossen.

Als Beispiel für eine Kleingartenanlage sehen wir uns die Anlage des Gartenbauvereins „Bernetal e. V". an der Ellernstraße näher an. 1957/58 gehörten zu diesem Gartenbauverein 313 einzelne Kleingärten und 18 Leihgelände, die als Freiland bezeichnet wurden. Die gesamte Anlage erstreckte sich von der Bamlerstraße bis zur Unsuhrstraße.

Die Dauerkleingartenanlage an der Ellernstraße wurde auf dem Abfallschutt der ehemaligen Ziegelei an der Altenessener Straße angelegt, dabei mußten die Bruchstücke einzeln von Hand entfernt werden. Gegenüber den Kleingärten, wo sich heute ein kleines Wäldchen befindet, standen Baracken, die als Unterkunft für die Arbeiter der Ziegelei genutzt wurden. Klärschlamm, sogenannte „Schwarze Erde" von der Kläranlage neben der Berne wurde über den Boden verteilt, und Viehmist, abgegeben von den umliegenden Bauernhöfen, diente als Dünger. Und wenn der Schäfer Leihfeld mit seinen Schafen die Straße entlangzog, mußten die Kinder mit Eimer und Kohlenschaufel die kleinen „Kaffeeböhnchen", wie man sie nannte, aufsammeln und zum Garten bringen. Während es früher nur Sitzecken, sogenannte „Rosenlauben" gab und die Holzschuppen nur zum Unterstellen von Geräten verwendet wurden, entstan­den nach und nach immer mehr Steinlauben als Aufenthaltsort für die Gärtner bei schlechter Witterung. Im zweiten Weltkrieg wurde der Kleingarten als Tabak- und Teelieferant sowie als Ersatz für die ausgebombte Wohnung herangezogen.

Die Kleingärtner taten bzw. tun sich durch verschiedene Aktivitäten hervor. So wurde z. B. aus Obstresten Saft gekocht, der bei Veranstaltungen an die Kinder verteilt wurde. Weiterhin gab es in früheren Jahren eine Frauengruppe, eine Jugendgruppe und eine Tanzgruppe. Eine Tischtennisgruppe existiert heute noch. Anläßlich des Baus des Vereinsheimes mußte von den Handwerkern der Gartenkolonie eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden geleistet werden.

Aus dem Altenessener Kalender Juni 1995


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