Glanz und Untergang der Vorstadtkinos
Geschrieben von: Lesebuchkreis Altenessen
Als Geburtsjahr des Kinofilms gilt das Jahr 1895. Von 1895 bis 1906 entstanden die ersten Wanderkinos mit Vorführungen in Wirtshäusern und auf Kirmesveranstaltungen. Im Jahre 1906 wurde das erste ortsfeste Kino in Essen gegründet. Zwischen 1929 und 1931 begann man mit der Umstellung auf Tonfilmtheater.
Das erste Kino in unserem Stadtteil war die "Filmbühne" auf der Altenessener Straße gegenüber dem heutigen Einkaufszentrum "Allee-Center". Sie wurde bereits 1909 eröffnet. Desweiteren gab es die "Kammerlichtspiele". Sie waren Bestandteil der "Kaisersäle" an der Ecke Altenessener Straße/Hövelstraße. Zusammen mit diesen wurden sie im Zweiten Weltkrieg ein Opfer der Bomben.
Anfang der fünfziger Jahre nahmen drei Lichtspieltheater ihren Betrieb in Altenessen auf: Das "Thalia-Theater" an der Stelle des im Krieg zerstörten Postamts (Ecke Altenessener Straße/Pielstickerstraße), das "Emscherkino" in der Stapenhorststraße und das letzte und zugleich schönste Haus, das erbaut wurde, das "Nordlicht" auf der Altenessener Straße, nur wenige Meter neben der Filmbühne. Zuletzt erbaut, war es in den sechziger Jahren des 20. Jh. das erste Kino, das wieder geschlossen wurde.
Das typische Wochenprogramm eines Vorstadtkinos soll am Beispiel des "Thalia-Theaters gezeigt werden:
Freitags bis montags wurde ein kommerziell erfolgreicher Film gezeigt, der nach Einsatz in den großen Häusern in Essen (Lichtburg, Ufa-Palast) dort abgesetzt wurde.
Am Wochenende gab es drei Vorstellungen. Um 22:00 Uhr fand noch eine Spätvorstellung statt, die überwiegend Billigproduktionen zeigte.
Sonntags gab es noch zwei Jugendvorstellungen - da mußten die Kinder auf dem Hinterhof in langen Schlangen anstehen.
Von Dienstag bis Donnerstag wurden in zwei Vorstellungen mal anspruchsvollere Filme und mal B-Filme gezeigt.
Erlebte das Kino in den fünfziger Jahren einen Besucherzulauf, so brachten die sechziger Jahre schon schlechtere Erträge, die Anfang der siebziger Jahre zur Schließung fast aller Vorstadtkinos führten.
Interessanterweise blieb uns das älteste und wahrlich nicht das modernste Kino am längsten erhalten. Die "Filmbühne", die bis zu ihrer Umwandlung zum Programmkino im Jahre 1980 überwiegend B-Filme zeigte, schloß Anfang Mai 1985 ihre Pforten.
Dennoch, das Kino ist nicht tot. Es ist zwar 100 Jahre alt geworden, aber es erlebt gerade in diesen Jahren durch neu erbaute Kinozentren einen zweiten Frühling. Leider jedoch nur in den Innenstädten, nicht mehr in den Vororten.
Aus dem Altenessener Kalender Dezember 1995
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