Unsere Straßen in den 20er und 30er Jahren bei Dunkelheit

ALtenessener Straße um 1920Die Beleuchtungen der Straßen während unserer Kindheit ließen noch viel zu wünschen übrig. Nur die Altenessener Straße hatte elektrische Beleuchtung. Die anderen Straßen hatten Gaslaternen. Die kleinen hatten gar keine Beleuchtung. Die Technik war wohl noch nicht so weit wie heute. Bei Zündungen der Laternen vom Gaswerk aus leuchteten nicht alle auf. Dann mußte der Gasmann mit einem Hakenstock von Hand zünden.

Es wurde aber auch viel Schabernack gemacht. Wenn man feste vor die Säule der Laterne trat, wurde die Gaszufuhr durch den Stoß unterbrochen, und das Licht erlosch. Der Gasmann mußte die ganze Nacht unterwegs sein und die Lampen wieder zum Leuchten bringen.

Die Dunkelheit und die schlechte Beleuchtung machte uns Jugendlichen aber auch manchen Spaß. Wenn es im Herbst früh dunkel wurde, spielten wir Räuber und Schanditz oder Verstecken. Da machten sogar die 16-18 Jährigen mit.

Besonders schön war es im Winter, wenn Schnee gefallen war. Die Mädchen über 14 Jahre gingen nachmittags zum Marienheim zu Näh- und Haushaltungskursen in die Johanniskirchstraße. Auch die Mädchen aus unserer Nachbarschaft gingen dort hin. Wenn die Kurse zu Ende waren und sie nach Hause gingen, wurden sie von den Jungen, die in der Nähe des Marienheims wohnten, aufgelauert, um sie mit Schneebällen zu bewerfen oder mit Schnee zu waschen. Da mußten wir doch die Beschützer für unsere Nachbarschafts-Mädchen machen. Dann gab es auf dem Kirchplatz ganz tolle Rangeleien und Schneeballschlachten. Die Mädchen konnten dann zur Karlstraße laufen und dort auf uns warten. Wir Jungens zogen bei den Schneeballschlachten meist den kürzeren. Unsere Gegner hatten vorher schon fertige Schneebälle in Verstecke gelegt und konnten uns damit richtig bombardieren, so daß wir auch türmen mußten. Die Mädchen waren aber so ungeschoren geblieben, und wir konnten sie nach Hause bringen. Aber ein Küsschen gab es damals noch nicht für unsere Beschützerrolle. Über einen Händedruck waren wir aber schon ganz stolz.

aus dem Altenesser Kalender Januar 1989


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