Erinnerungen an Schacht Heinrich

Schacht HeinrichIch wurde im Schatten - viel besser gesagt - im Anblick des glühenden Kokses geboren. Wir wohnten ja gleich der Kokerei gegenüber, auf der mein Vater als Koksmeister und Schichtführer tätig war. Sein Kollege, der auch in unserem Viertel wohnte, und mein Vater hatten es sehr schwer. Eine Schicht hatte 12 Stunden. Von sechs bis achtzehn Uhr und von achtzehn bis sechs Uhr.

Wenn Vater Morgenschicht hatte, brachte die Mutter ihm das Mittagessen. Natürlich nahm sie mich mit. Es waren nur ein paar Minuten bis zum Schichtbüro. Meistens erwartete er uns schon an der Waggonwaage und winkte uns zu. An Samstagen war ja immer Badetag. Wir, Mutter, Schwestern und ich gingen dann zu Vaters Umkleideraum. Hier hatten die beiden Koksmeister eine ganz tolle Badewanne. Sie war aus Steinen gebaut und riesengroß. Mutter und wir Kinder konnten zusammen darin baden und sogar noch plantschen. Es gab ja auch noch keine Duschen.

Als ich dann so fünf Jahre alt war, durfte ich dem Vater das Mittagessen in einem Henkelmann und den Kaffee in einer Kaffeepulle bringen. Die Mutter füllte den Henkelmann immer reichlich. Gemüse oder Salat wurde in einem Zubindeglas dazugegeben. Vater servierte mir dann immer einen Teil des Essens auf einem Emailleteller. Dann konnten wir zusammen Mittagspause machen. Darauf war ich so richtig stolz. Obwohl ich sonst kein guter Esser war, aber hier haute ich so kräftig rein.

Ich weiß nicht, ob die Begriffe „Henkelmann" und „Kaffeepulle" noch heute bekannt sind. Der Henkelmann, das waren zwei runde emaillierte Behälter, die zusammen befestigt waren und in der Mitte einen Tragbügel, einen Henkel zum Tragen hatten. Die Kaffeepulle war eine Flasche aus verzinntem Blech, Weißblech mit Korkverschluß. An den Seiten hatten diese Kaffeepullen angelötete Ringe oder Ösen, durch die man eine dicke Schnur zog, und sie so über die Schulter hängen konnte, was für Bergleute sehr geeignet war.

aus dem Altenesser Kalender Februar 1989


Kommentar schreiben

Kommentare bitte kurz und aussagekräftig halten.