Ein Fesselballon im Kaiserpark

1989-04Wir waren 25 Jungen, die sich regelmäßig zum Turnen in der Sporthalle der Realschule an der Stankeitstraße trafen. Drei von uns, einer davon war ich, mußten auf dem Weg zum Sport immer durch den Kaiserpark. So auch an einem Tag während der französischen Besatzung. Nichtsahnend, daß dieser Tag für uns recht aufregend werden sollte, nahmen wir unseren üblichen Weg, von Spindelmann quer durch den Kaiserpark Richtung Schule.

Doch diesmal konnten wir noch so eben am Haupteingang raus, da der halbe Park von Franzosen gesperrt war. Den Grund konnten wir dann auch bald sehen: Es war ein großer Fesselballon, der gut bewacht wurde.

An der Turnhalle angekommen, fanden wir unsere Kollegen ganz aufgeregt, weil sie nicht in die Halle durften.

Wir berichteten von unserer Entdeckung. Natürlich war die Neugierde gleich geweckt, und wir beschlossen mit 14/15 Mann, uns die Sache genauer anzusehen. Ohne Schwierigkeiten konnten wir bis zum Ballon vordringen, um ihn aus der Nähe anzusehen. Hinter dem Ballon waren laute Kommandostimmen zu hören. Da platzte einer von uns raus und rief: „Schrei nicht so laut, sonst platzt der Luftballon!"

Fröhlich und nichts dabei denkend, auch ab und zu wieder stehendbleibend, schlenderten wir dann weiter und waren auf einmal von Franzosen eingeschlossen. Wir wurden gefangen genommen und zur Turnhalle gebracht. Dort mußten wir uns mit gespreizten Beinen, die Hände über den Köpfen an der Wand abgestützt aufstellen. Alles, was verdächtig war, wurde uns abgenommen. So ungefähr eine halbe Stunde mußten wir so stehen, bis wir nacheinander von einem deutschsprechenden Kommandanten verhört wurden. Keiner von uns sagte jedoch etwas.

Daraufhin wurden wir zum zweiten Mal verhört. Als ich wieder an der Reihe war, und gefragt wurde, weshalb wir alle hier wären, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und erzählte, daß wir uns regelmäßig zum Turnen und Fußballspiel trafen und es ja nun nicht könnten.

Zu meiner großen Überraschung sagte der Kommandant: „Dem können wir abhelfen." Er ließ sogleich 25 Scheine schreiben, und wir konnten auf den Fußballplatz. Sogar gegen die Franzosen haben wir gespielt und wurden prächtig versorgt. Während der Halbzeit gab es etwas zu Trinken und nach dem Spiel Gebäck zur Stärkung. Vor allem bekamen wir die Erlaubnis, einmal in der Woche den Fußballplatz zu benutzen.


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