Rhein-Herne-Kanal
Geschrieben von Dietmar Hollenberg   
Montag, 5. März 2007

Rhein-Herne-Kanal 9 Von 1906 bis 1914 fertiggestellt, prägt der Rhein-Herne-Kanal das Altenessener Stadtbild wie kaum ein anderes Bauwerk und stellt gleichzeitig seine nördliche Grenze dar. Seit seiner Fertigstellung wurde er immer auch als Freizeitstätte benutzt. Westlich der Zweigertbrücke gab es an der Nordseite sogar ganz offiziell das Freibad Altenessen.

Von Anfang an war der Rhein-Herne-Kanal nicht nur Güterschiffahrtsweg, sondern auch eine Freiraumachse in einer dicht besiedelten Industrielandschaft. Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Abkühlung Suchende finden dort ein langgestrecktes Erholungsparadies.

Rhein-Herne-Kanal 7 Zu beiden Seiten des Kanals bieten die Uferwege nicht nur lange Strecken für Fußgänger und Radfahrer, sondern auch den Zugang zu etlichen anderen Naherholungsgebieten wie der Schurenbachhalde, dem Emscherpark und dem Nordsternpark. Der Weg auf der Südseite erstreckt sich von der B224-Brücke bis zur Schleuse Gelsenkirchen. Auf der Nordseite kann man den Kanal von der Brücke im Nordsternpark bis zur A42-Brücke begleiten. Begrenzt werden die Wege durch Häfen, Öl- und Kohlelager. Durch sie wird man, wenn man dem Kanal weiter folgen will, weit ins Stadt- oder Industriegebiet abgedrängt. In westlicher Richtung führen die Wege ab Essen-Dellwig bzw. Bottrop-Ebel weiter bis nach Oberhausen und Duisburg, vorbei am CentrO, der Marina, dem Gasometer und dem Kaisergarten in Oberhausen.

Im Sommer ist der Kanal ein beliebtes "Freibad". Leider verhindern Spundwände an den meisten Stellen einen bequemen und sicheren Ein- und Ausstieg. Geeignete Einstiegsstellen findet man an der Nordseite in der Nähe des Pumpwerks neben der B224 und an der Südseite am Ende der Emscherstraße. Allerdings dient der Kanal vorrangig der Schiffahrt, und deshalb sind ein paar Spielregeln zu beachten, um Ärger mit der Wasserschutzpolizei zu vermeiden: "Generell ist festzustellen, dass künstliche Wasserstraßen in erster Linie dem Schiffsverkehr dienen.
Baden in Kanälen ist somit eine unzulässige Nutzung der Wasserstraße und nicht erlaubt." Mehr dazu auf den Informationsseiten der Wasserschutzpolizei und der Binnenschiffahrt Rhein Ruhr. Auch wenn es in den offiziellen Regelungen hart klingt: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die Wasserschutzpolizei drückt sämtliche Augen zu, solange man wirklich gefährliche Aktionen wie das Anschwimmen von fahrenden Schiffen unterläßt.

Rhein-Herne-Kanal 2 Für Motorboote bietet der Altenessener Abschnitt des Kanals leider gar keine Einsetzmöglichkeit. Dazu muß man sich zur Marina in Oberhausen oder zur Schleuse in Gelsenkirchen bemühen. Muskelbetriebene Sportboote können relativ einfach in der Nähe des Pumpwerks bei der B224 eingesetzt werden. Unmittelbar am Pumpwerk gibt es Parkmöglichkeiten, die Rampe zum Kanalufer verläuft flach. Allerdings muß man die Bruchsteine der Uferbefestigung ohne ausgerenkte Knöchel überwinden, um danach seinen Spaß auf dem Wasser zu haben. Eine Einsetzstelle an der Südseite gibt es am Ende der Emscherstraße, allerdings ist der Abschnitt nördlich der A42 für Kraftfahrzeuge gesperrt, so daß dort ein erheblich längerer Fußmarsch von ca. 600m nötig ist.

Hier findet man eine Karte beider Uferwege oder für die komfortablere Ansicht das Overlay für Google Earth.

Planungen, den Rhein mit der Weser und der Elbe zu verbinden, gab es angesichts der reinen Nord-Süd-Richtung der norddeutschen schiffbaren Flüsse bereits vor 300 Jahren. Auftrieb bekam die Idee nach 1815 während der preußischen Zeit. Die ursprünglichen Pläne scheiterten jedoch an der nicht schiffbaren Emscher. Ihr Flußbett war zu flach, die Fließgeschwindigkeit wegen der vielen Krümmungen zu gering, und schließlich lehnten die preußischen Behörden die Erweiterung des „Rinnsals“ aus Kostengründen ab.

Erst mit der Gründung des „Vereins für die bergbaulichen Interessen“ begann im Ruhrgebiet der Fortschritt im Verkehrs- und Transportwesen. Dazu gehörte der Ausbau des Kanalnetzes für die Binnenschiffahrt und eine Erweiterung des Eisenbahnnetzes, um die norddeutschen Gebiete mit Kohle zu beliefern und über die Nord- und Ostseehäfen den Handel mit Holland, England, Skandinavien und Russland zu fördern.

Am 5. April 1906 erfolgte der erste Spatenstich, am 14. Juli 1914 wurde die 45 km lange künstliche Wasserstrecke zwischen dem Rhein und dem Dortmund-Ems-Kanal für die Schifffahrt freigegeben. Im wesentlichen folgte der Kanal dem Lauf der begradigten Emscher und den dort angesiedelten Kohlezechen. In der Blütezeit der deutschen Steinkohle gab es mehr als 30 öffentliche und werkseigene Häfen zum Transport von Erz und Kohle. Außerdem diente der Kanal als zusätzliches Wasserreservoir für die Bevölkerung.

Kommentare zu diesem Artikel:
No. 1 :
Das was im 3. Absatz unten als Kaiserpark in Oberhausen angegeben wurde, heißt korrekt Kaisergarten und beinhaltet auch ein kostenlos zugängliches Tiergehege.

[Anm. d. Red.:
Ist umgehend korrigiert worden.]
kommentiert von Gast • 2008-03-10 00:15:31
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