Em Pütt

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Der Himmelsventilator

Langsam, unendlich langsam krochen die Uhrzeiger ihre Bahn, als graue ihnen vor der Zukunft. So schien es Karl Müggenburg.

Zum vierten Male schon sah er zur Uhr. Endlich war es soweit. Butterpause. Von der Kiste her — dem Frühstücksplätzchen — ruft er seinen Kumpel: „Schiärle, komm, 't es Tied tem buottern!"

Franz Wegge, dem sein „Silberblick" den Beinamen „Schiärle" eingebracht hatte, kommt leichtbeschwingt angetanzt. Zu seiner Lieblings„arbeit" läßt er sich nicht zweimal auffordern.

Mit allen Merkmalen eines schlechten Gewissens beobachtet er Karl, wie der seine Kaffeeflasche vom Nagel nimmt, sie mit verhaltenem Mißmut in der Hand wiegt, sie dann schüttelt...

„Du Supsack büs mi doch wier an da Koffipulle gewiärst! Mä soll di da Struotte" awbieten.. .! Dann hört dat äinmol op!" So begehrte Karl auf. Zum tausendsten Male schon. Der „Schiärle" kannte solche Ausbrüche. Das hinderte ihn aber nicht, wenn ihm die Kehle mal wieder besonders trocken war — und das war Dauerzustand bei ihm —, immer und immer wieder Karls Kaffeeflasche in Anspruch zu nehmen.

   

Durchschaut

August Großmaul war ein Aufschneider ungewöhnlichen Formats. Er neigte aber auch in allem zu maßloser Übertreibung, gab an — na — wie eine Lore Mücken.

Eines Tages, beim Schichtwechsel, läuft ihm sein Gegenkumpel — der Kumpel von der anderen Schicht — in die Arme.

   

Flüssige „Elektrizität"

„Hännerich, komm äs hierhän!" hallt es von der Kiste her.

Heinrich Knippschild, der so Angerufene, wirft die Hacke beiseite, mit der er eben noch im Ort herumhantierte, und leistet dem Ruf Folge — nicht ganz arglos allerdings.

Bei Franz Schulte, seinem Kumpel, galt es auf der Hut zu sein, denn der war unerschöpflich im Aushecken aller nur erdenklichen Streiche, die meistens an Hännerich Knippschild ihre Auferstehung feierten.

„Na, wuos du mi mol wier dobikriergen?" ist daher Hännerichs besorgte Frage. Er hatte sich geschworen, sich von seinem Kumpel nicht noch einmal leimen zu lassen. Ohnehin waren seine Reinfälle eine Kette ohne Ende. Der letzte Schabernack war noch zu lebendig in seiner Erinnerung. Er schüttelte sich im Geist das Wasser vom Pelz, wenn er daran dachte, denn...

   

Die guten alten Bekannten

Da war ein Steiger, der seinen Kollegen immer wieder mit alten, verstaubten Ladenhütern aufwartete, mit Erzählungen, mit denen der selige Adam schon seine Eva gelangweilt hatte.

Dennoch wurde der Steiger nicht müde, sie seinen Kollegen aufzutischen, mochte er sie ihnen tausendmal vorher verzapft haben — diese guten, alten Bekannten.

Eines Tages kamen sie nun überein, immer, wenn der Steiger seine abgedroschenen Schmarren auskramte, „Glückauf!" zu sagen.

   

Das schwere Rätsel

Lohntag.

In feuchtfröhlicher Tafelrunde sitzt wohl ein halbes Dutzend trinkfester Gesteinshauer beieinander. Mit Trinken, Rauchen und angeregter Unterhaltung geht man der Langeweile zu Leibe. So verrinnt Stunde um Stunde.
Eben spricht man vom Rätselraten.

Da meint Ernst Klaukmeier: „Eck kann jedet, öwwer ouk jedet Rätsel roen."